Kirchen in Ilverich?

Geschrieben von Ludwig Petry am .

 

(überarbeitet: 24.9.2020)

Die über 1100 Jahre alte Rheingemeinde Ilverich, auf deren Boden eine „villa rustica" aus dem späten zweiten bzw. frühen dritten Jahrhundert nachgewiesen ist (www.denkmalgalerie.de), verfügte wohl auch früher  über keine Kapelle auf ihrem Grund.Stadtteile Ilv.Karte früher KirchenOb die 904 erwähnte Ilvericher Außenstelle (cellula) des Suibertus-Klosters in Kaiserswerth auch eine Kapelle besaß und wer außer den Mönchen Zugang zu ihre hatte, wissen wir nicht.  Der "cellula" selbst selbst  lag vermutlich auf dem Gelände des späterem "Walsumer Gutes" (Obere Straße 22), früher vermutete man sie auf dem Gelände des heutigen Hofes Ridders-Wolf. Das Anwesen wurde jedenfalls wie auch die anderen kirchlichen Besitztümer  bei der Säkularisation 1804 versteigert.

 

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei Hildegundis von Meer mit der Pfarrkirche St. Stephanus in Lank. Hochzeiten feiern sie gelegentlich auch in der St. Martin-Kapelle in Kierst. Die evangelischen Christen gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Lank und besuchen den Gottesdienst in der Kreuzkirche in Lank-Latum oder in der Versöhnungskirche in Strümp.
Die räumliche Entfernung zur Kirche bestimmte auch Taufe, Kommunion, Hochzeit und Begräbnis. Darüber gibt es noch Zeitzeugenberichte und Fotos. Kaplan und Messdiener mussten, um die Krankensalbung vorzunehmen („Versehgang"), bei Wind und Wetter einen weiten Weg zurücklegen (s. Gemälde von M. Emonds) - gemaelde von m emonds vers bei Hochwasser auch ein Stück auf dem Gemeindekahn. Nachbarschaftshilfe war groß geschrieben, wobei der sog. „Nächstnachbar" besondere Aufgaben wie Stellung eines Pferdes und Karrens übernahm.

Witwen und Mütter von verstorbenen Kindern trugen ein Jahr lang schwarze Trauerkleidung, die anderen Angehörigen solche bis zum Sechswochenamt.
Wer es sich leisten konnte, fuhr mit der Kutsche zur Kirche. Der Weg zu Fuß oder mit der Kutsche führte auf einem direkten Feldweg nach Lank, der im Volksmund heute noch „Liikwääch" (=Leichenweg) genannt wird. Die Leichenzüge waren „begleitet vom Geläut des kleinen Glöckchens auf dem Schulhaus. Es war strenger Brauch, dass die Glocke der Lanker Kirche zur Messe läutete, während die Kinder in der Ilvericher Schule so lange für die Seele des Verstorbenen beteten, bis die Prozession an der „Großen Gasse" in Lank ankam" (Winkels, S. 285).

Link: zur Pfarrei Hildegundis von Meer

Linkzur ev. Gemeinde in Lank

Literatur:

Kunze, Mike, Die wechselvolle Geschichte des Walsumer Gutes in Ilverich, in: Meerbuscher Geschichtshefte, H. 32 (2015), S. 4-41

Regenbrecht, Michael (Hrsg. im Auftrag des Heimatkreises Lank e.V.), 1100 Jahre Langst-Kierst und Ilverich, 904 - 2204, Meerbusch 2004