Ostern

Geschrieben von Falk Neefken am .

Ostern

geschrieben von Falk Neefken 05.03.2012
letzte Bearbeitung: 31.01.2018

 

Ostern ist das älteste christliche Fest. Es wurde bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. gefeiert und trat – die ersten Christen waren Juden – an die Stelle des jüdischen Passafestes. Feiern diese das Gedächtnis der Befreiung aus Ägypten und damit ihr neu gewonnenes Leben, so feiern Christen die Auferstehung des Gekreuzigten – und damit auch ihnen von Gott geschenkte neue Lebensmöglichkeiten.


Ostern schließt an die siebenwöchige Passions- oder Fastenzeit an, die im Karfreitag, dem Todestag Jesu aus Nazareth, endet. Der christliche Gottesdienst in der Osternacht beginnt mit einer Lichtfeier. Vor dem Portal vieler Kirchen wird ein Osterfeuer und an diesem wiederum die Osterkerze entzündet. Sie wird in die dunkle Kirche getragen, in der das „Lumen Christi" erklingt, ein Hymnus, in dem Christus als Licht der Welt gerühmt wird. Nach Möglichkeit entzünden die Gläubigen am Osterlicht ihre Kerzen, die Kirche füllt sich mit Licht. – An dieser Osterkerze werden im Laufe des Kirchenjahres in Taufgottesdiensten wiederum die Taufkerzen der Täuflinge entzündet.

Erstmals wird die Osterkerze im 4. Jahrhundert erwähnt. Nach und nach hat dann in den Kirchen ihre Lichtsymbolik in der Feier der Osternacht immer mehr an Bedeutung gewonnen. Im Mittelalter wurde die Osterkerze ausgeschmückt mit dem ersten und dem letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, mit Alpha und Omega. Das erinnert an Offenbarung 22,13, wo es heißt Ich bin der Anfang und das Ende. Die Formel „A und O" ist somit wohl die kürzeste Möglichkeit, von Ostern zu sprechen. – Hinzu kam die Jahreszahl. Sie weist auch auf die kalendarische Bedeutung von Ostern hin.

Das Licht der Osterkerze erinnert in der Dunkelheit der Nacht an Gott, der bei der Schöpfung als erstes sprach: Es werde Licht. Und – so heißt es im 1. Buch Mose –
es ward Licht.
Das Licht der Osterkerze erinnert auch an den Weg des Volkes Israel durch die Wüste, auf dem nachts eine Feuersäule den Israeliten zeigte: Gott ist auch im Dunkel mit auf dem Weg.
Das Licht der Osterkerze erinnert an Christus, der von sich gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt.

Das Weiterreichen des Lichts der Osterkerze durch die ganze Kirche will auf besondere Weise erlebbar machen, dass Jesus seinen Jüngern zugesagt hat: Ihr seid das Licht der Welt.

In Osterath ist die Osterkerze zudem ein Zeichen ökumenischer Weggemeinschaft. Im Jahr 2002, während der Zeit der Renovierung von St. Nikolaus, war die katholische Gemeinde in der evangelischen Kirche zu Gast – gemeinsam feierte man den Osternachgottesdienst. Als Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit übergibt seitdem die Gemeinde St. Nikolaus den Evangelischen im Osternacxhtgottesdiens eine Osterkerze.


Nach der Verlesung des Auferstehungs-Evangeliums (Matthäus 28) erklingt dreimal der Ruf „Christus ist auferstanden", auf den die Gemeinde mit einem dreimaligen „Halleluja" antwortet.


Der Termin des Osterfestes ist variabel. Er wurde 325 vom Konzil zu Nizäa auf den Sonntag gelegt, der dem ersten Frühlingsvollmond folgt. Demnach kann frühestens am 22. März und spätestens am 25. April eines Jahres der Ostertermin liegen.


Das Wort Ostern klingt nicht zufällig wie Osten. Das gallisch-fränkische Wort austro bedeutet Morgenröte. Die germanische Göttin des aufgehenden Lichtes ist Ostara, zu deren Ehren im heidnischen Brauchtum der Winter verbrannt wurde. Dieses Feuer wurde nach der Christianisierung der Germanen zum Osterfeuer umgedeutet.


In Osterath brennt das Osterfeuer, von der Feuerwehr bewacht, vor St. Nikolaus; die Gemeinde versammelt sich hier nach der Messe zu Umtrunk und geselligem Beisammensein. Die evangelische Gemeinde feiert die Osternacht ohne Osterfeuer, aber auch mit der oben beschriebenen Lichtsymbolik. – Versuche, sich gemeinsam nach den Gottesdiensten am Osterfeuer vor St. Nikolaus zu treffen, sind „im Sande verlaufen".


Martin Luther lehnte das Osterfeuer zwar als papistisch ab, konnte aber nicht verhindern, dass es sich außerhalb des Gottesdienstes auch in evangelischen Landen hielt und der Brauch von Vereinen, Nachbarschaften usw. bis heute wach gehalten wird.


Um Feste zu feiern, entwickeln sich Riten und Bräuche, Sitten und Symbole. Das Osterei ist das wohl bekannteste Symbol für Ostern. Das Ei, ein altes Fruchtbarkeitssymbol der Göttin Ostara, wurde wie das Osterfeuer „christianisiert": Wie ein Küken aus dem Ei ist Christus lebendig aus dem Grabe herausgekommen. Die Eier wurden rot gefärbt als Hinweis auf das die Sünde tilgende Blut Christi. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden die Eier dann allerdings bunter und immer verzierter. Heute sind sie oft kleine Kunstwerke, die für viel Geld auf Ostermärkten, eine Erfindung der Touristik- und Stadtmarketingagenturen unserer Zeit, zu erstehen sind. Eine auch nach Meerbusch ausstrahlende Ostereierausstellung findet jährlich im Kreismuseum Zons statt.


Das Ostereiersuchen geht wohl auf das Sammeln von Wildvogeleiern zurück. Waren im Frühjahr die eigenen Vorräte aufgebraucht und neue Nahrung noch knapp, dann boten die Eier der zurückgekehrten Zugvögel eine willkommene Ergänzung der Speisekarte. Im 18. Jahrhundert wird es in evangelischen Familien Brauch, Ostereier zu verstecken und von Kindern suchen zu lassen. Einhundert Jahre später ist das Ostereiersuchen deutschlandweit und damit konfessionsübergreifend zu einem festen familiären Brauch geworden.


Auf den Opfertod Christi deutet auch der Osterlammbraten hin, der Jahrhunderte lang österliches Festessen war. – Zu Ostern durfte man nach siebenwöchiger Fastenzeit endlich wieder Fleisch essen.


Auch der Hase ist ein altes Fruchtbarkeitssymbol. Einen Hasen, der auch noch Eier legen konnte, stellte man sich als das Allerfruchtbarste vor. Den Osterhasen findet man allerdings nicht in der Kirche, sondern vor allem im Osternest für die Kinder und im Kaufhaus. Vor allem die Goldhasen mit dem Glöckchen sind zur säkularen Ikone des Osterfestes geworden. Sie versprechen, wie alle Schokohasen, den Schkoladenhimmel auf Erden (Christ und Welt 14/2015) und haben mit dem christlichen Osterfest "nichts mehr am Hut".- 


Dass der Hase christlich wurde, liegt an einem Übersetzungsfehler. In Psalm 104,18 heißt es: Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht, und die Felsklüfte dem Klippdachs. Letzterer wurde mit Hase übersetzt und leistete so christlichen Interpretationen Vorschub: Wie der Hase auf dem Felsen lebt, so soll der Christ auf dem Glaubensfelsen der Kirche (Petrus) sich beheimaten.


Auffällig ist auch hier der konfessionelle Unterschied. Bis 1800 war der Osterhase kaum bekannt. In städtischen evangelischen Familien kommt er danach immer öfter „zum Einsatz" (heute kann man ihn wie den Weihnachtsmann bei Arbeitsagenturen als Gabenbringer mieten), aber noch um 1900 war er in den katholischen ländlichen Regionen des Rheinlands unbekannt. Um 1930 sollen es dann die Zuckerbäcker gewesen sein, die hier für seine Verbreitung sorgten.


Bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die Eier von anderen Tieren gebracht – je nach Region und Brauchtumsgeschichte: In der Schweiz war das der Kuckuck, in Schleswig-Holstein, Sachsen, Bayern und Österreich der Storch. Manchen Westfalen soll sogar der Fuchs die Eier gebracht haben.


Eines der bekanntesten Ostergedichte ist Goethes „Osterspaziergang": Mit seinem "Von Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick" drückt er ein elementares menschliches Frühlingsgefühl aus, um dann doch noch auf den christlichen Kern des Osterfestes zurückzugreifen: "Jeder sonnt sich heut so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern . . ." So mutiert schon seit längerem das Osterfest zu einem Frühlingsfest. Ein Trend, der sich in unserer immer säkularer gewordenen Gesellschaft enorm verstärkt hat.


Literatur:
Karl-Heinrich Bieritz, Das Kirchenjahr, München 1998
Evangelisches Gottesdienstbuch, Berlin, 2000
Alois Döring, Rheinische Bräuche durch das Jahr, Köln, 2007