Kunst und Kultur in und um St. Stephanus

Geschrieben von Ludwig Petry am .

Zuletzt bearbeitet  am 07.01.2018

Die  "rhythmische Architekturgliederung und die abwechslungsreiche Formensprache" erlauben es, die Kirche insgesamt und ihre innere Ausgestaltung auch als ein Kunstwerk zu betrachten. Das gilt insbesondere für "die prächtige, am Niederrhein einmalige Kassettendecke" (Siegfried Scharbert, S. 45)

Die Kassettendecke des Langhauses besteht aus profilierten Kästen und Stuckrosetten. Sie wurde 1987 von der Lanker Malerwerkstatt Willi Becker restauriert. Die Decke betont die "Selbständigkeit des Laienraumes gegenüber dem Presbyterium (Chor)" (Siegfried Scharbert, ebenda)

Für den Ersatz der  im 2. Weltkrieg beschädigten oder zerstörten Fenster wurde in den 50er Jahren ein theologisches Bildprogramm entworfen, das größtenteils von dem Künstler Hans Lohbeck gestaltet und von der Linnicher Glasmalerei-Werkstadt Dr. H. Oidtmann ausgeführt wurde.  Das Bildprogramm der drei Chorfenster besteht aus der "Dreifaltigkeit als Gnadenstuhl" (thronus gratiae)   in der Mitte und aus "Szenen aus dem Leben des Stephanus" (Apg.6,1 - 7,59) links und rechts. Die Fenster im rechten Seitenschiff thematisieren die sieben Sakramente, die Fenster im linken Seitenschiff stellen "helfende Kräfte im Leben des Christen" dar, verkörpert durch Heilige und Engel.  Im Obergaden sind Rosettenfenster zu sehen.03-rosettenfenster

10 der 19 Entwürfe von Hans Lohbeck sind nach Angaben von Siegfried Scharbert im Besitz des Heimatkreises Lank e.V. Es handelt sich um die Entwürfe für die sechs Seitenfenster und die vier halbrunden Ornamentfenster über den Eingängen.

Vom Altarraum weit in die Kirche hinein leuchtet das vergoldete und mit bunten Edelsteinen verzierte Tabernakel. 04-tabernakelAuf ihm ist die Verkündigung des Erzengels Gabriel an die Jungfau Maria dargestellt. Das Podest und das rückwärtige Gitter schuf der Lanker Künstler Friedel Denecke. Von ihm sind  auch das Altarkreuz, der Ambo und die Sakristeitür.

Der ursprüngliche Marienaltar fiel 1977 einem Brand zum Opfer. Von dem 1856 von Andreas Müller geschaffenen Marienbild wurde nur noch der  Rahmen gerettet. Für ein neues Gemälde in diesem Rahmen wurde der süddeutsche Künstler Walter Habdank gewonnen (1930-2001, zahlreiche Kunstwerke in kirchlichen Einrichtungen, Gestaltung der "Habdank-Bibel, Augsburg 1995).  Es stellt eine Szene von der Hochzeit in Kana dar und verweist mit den Symbolen Kelch und Brot auf das letzte Abendmahl.

Im linken Altarraum, dem traditionellen Raum der Marienverehrung, befindet sich außerdem eine in Südtirol geschnitzte Marienstatue,06-marienstatue "die  Nachbildung einer niederrheinischen Arbeit aus der Spätgotik (1490)" (Siegfried Scharbert, S. 55).

Dem Brand fiel auch die weihnachtliche Krippe zum Opfer. Von den Figuren blieben nur noch die Heiligen drei Könige übrig. Die Krippe und die dazu gehörenden Figuren sind inzwischen durch neue ersetzt worden. Beim Aufstellen der Figuren und bei der "Bewertung der 'Familie' nach aktuellen Gesichtspunkten dürfen Maria und Josef auch einmal die Rollen tauschen", sagte die zuständige Küsterin schmunzelnd an Weihnachten 2010 (Rheinische Post von 23.12.2010).

Im rechten Altarraum steht eine Stephanusstatue, die  Statue des Kirchenpatrons.07-st-stephanus Sie stammt noch aus der alten, 1848 abgerissenen Kirche. Der Heilige hat die für sein Martyrium typischen Attribute Stein (für die Steinigung) und Siegespalme (für Überwindung des Todes) in den Händen. Die Statue wurde früher bei Prozessionen durch die Gemeinde getragen. Die Abbildung wurde außerdem "in das von 1952 bis 1970 gültige Wappen des Amtes Lank aufgenommen" (Siegfried Scharbert, S. 58). Aus der alten Kirche stammt auch der Taufstein von 1752.

Die Geschichte der Glocken von St. Stephanus ist auch ein Stück Lokalgeschichte: Eine der drei Glocken, die Stephanusglocke von 1773, war gesprungen und musste neu gegossen werden. Dies geschah 1780 im van Haagshof am alten Markt in Lank (Glockengasse). Pastor Wilhelm Jacobs wollte eigentlich aus den drei Glocken ein "harmonisches Drei-Glocken-Geläut" gießen lassen. Die Gemeindevertreter verhindert dies mit dem Hinweis, sie wollten kein "Kloster-Meer-Gebimmel" (Haefs, S. 64 f.).  Im Turm hängen heute zwei von den Nationalsozialisten 1942 für Rüstungszwecke beschlagnahmte, 1947 von der Gemeinde aber wieder in Empfang genommene  historische Glocken aus der Vorgängerkirche und eine Glocke aus dem Jahr 1926. Die drei Glocken läuten in den Tönen "c", "d" und "e". Sie tragen die Namen: Stephanus, Sebastianus und Schutzengel. Mit der Turmsanierung 2002 wurde auch die Glockenanlage generalüberholt, so dass "sich die gut restaurierten Glocken in einem ihrem Denkmalwert entsprechenden  Ambiente optimal entfalten können und die Glockenanlage von St. Stephanus, Lank als Muster für ähnliche Sanierungsvorhaben dienen kann" (Aussage eines von Scharbert auf S. 76 zitierten Gutachters). Die Orgel gehört ebenfalls zu den historischen Schätzen der Kirche. Als sie 2012 zur Sanierung anstand, rief der Gemeindevorstand im Gemeindebrief vom Februar 2012 (S. 12) zu Spenden auf und erinnerte aus diesem Anlass - gestützt auf den Kirchenführer von Siegfried Scharbert - an die historische Bedeutung und die  wechselvolle Geschichte der Orgel: "Eine Orgel wird erstmals in den Aufzeichnungen Pfarrer Jacobs (1754-98) erwähnt, wonach 1758 und 1778 an ihr größere Arbeiten durchgeführt wurden". Diese Orgel mit vermutlich zehn bis zwölf Registern "wurde 1845 von dem Krefelder Orgelbauer Kamper in die neue Kirche transformiert. Erst 1883 wurde die von der Kaiserswerther Firma Fabritius ...geschaffene, größtenteils neue, der großen Kirche angemessene Orgel in Dienst genommen. Obwohl die Kirche schon 1901 elektrische Beleuchtung erhielt , wurde der Blasebalg erst 1926 durch einen Elektromotor betrieben. Damit starb der jahrhundertealte Beruf der Balgtreter oder Kalkanten auch in Lank aus. 1938 wurde die Orgel generalüberholt und erweitert. 1983 erfolgte die letzte große Überarbeitung durch die Firma Weimbs aus Hellenthal/Eifel. Die Orgel hat jetzt 30 Register und 1792 Pfeifen, von denen die längste 6,50 m misst. Eine Besonderheit ist, dass noch heute rund 250 Jahre alte Register der Barockorgel aus der Zeit vor 1750 sowie von 1883 ihren Dienst tun, insgesamt etwa ein Drittel der heutigen Substanz."

Unter der Orgelempore befindet sich eine Kreuzigungsgruppe, die 1848 für die neue Kirche geschaffen wurde. Außen an der Nordseite des Kirchturms hängt ein Kruzifix aus Holz, das den leidenden Christus darstellt. Es wurde zwischen den beiden Weltkriegen dort angebracht und stammt wahrscheinlich (Margot Klütsch) von Heinrich Pauly, der auch die Kriegerdenkmäler in Osterath und in Ossum gestaltet hat.

Madonna-v.W.Albermann

Die Madonna aus Muschelkalk östlich vor dem Eingang trägt die Inschrift mit dem Namen des Kölner Künstlers Wilhelm Albermann. Die Madonna mit dem Jesuskind wurde kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges als "Mutter des Friedens" aufgestellt.

Prinzengrab auf dem Alten Friedhof in Lank Latum web Der einflussreiche und sehr aktive Förderer Mathias Graf von Hallberg (geboren auf Schloss Pesch), auf den auch der Neubau der Kirche in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgeht, hat ein monumentales Grabmal auf dem Alten Friedhof in Lank, das das "Prinzengrab" genannt wird.

 

Kreuz Gonella Pfarrstraße

In der Nähe des Pfarrhauses Ecke Gonellastraße/Pfarrstraße  beginnt ein Kreuzweg mit sieben Fußfällen, auch "Römerweg" oder "Römerfahrt" genannt, der in Lank im Unterschied zu Osterath aus 7 Holzkreuzen besteht. Früher waren diese Kreuze aus Beton, hergestellt im Latumer Kalksandsteinwerk Franz Schmitz. Der Heimatkreis Lank kümmerte sich schon früh um die Kreuze an folgenden Stationen: 1. Station: Kreuz Pfarrstraße/Ecke Gonellastraße, 2. Station: Claudiusstraße/Park Krankenhaus, 3. Station: Claudiusstraße/Ecke Uerdinger Straße, 4. Station: Uerdinger Straße/Am früheren Lipperhof, 5. Station: Hauptstraße/Ecke Kaiserswerther Straße, 6. Station: Mühlenstraße/Ecke Kaiserswerther Straße, 7. Station: Rheinstraße/Ecke Mühlenstraße.  Die lokale Presse berichtet immer wieder über die "althergebrachte Römerfahrt" im Ort als Ersatz für eine Pilgerreise - ausführlich mit Fotos und Beschreibung der sieben Fußfälle. Immer wieder engagieren sich Bürgerinnen und Bürger sowie Lanker Handwerker und vor allem der Heimatkreis Lank e.V. für den Erhalt dieses religiösen Kulturgutes (Die sieben Kreuze von Lank-Latum). 

 

Über das Kreuz am Forstenberg, das nicht zur "Römerfahrt" gehört,  den dort stehenden "Kruseboom" (= Baum unter dem ein Kreuz steht), einem  Ort der Meerer Gerichtsbarkeit hatte bereits 1975  der Heimatforscher Addo Winkels in D'r Bott, grüne Mappe, Heimatkeis Lank,  berichtet. Das Kreuz am "Kruseboom" war nicht nur eine Station der Lanker Fronleichnamsprozession. Der Kruseboom  war  im übrigen  ein Zeugnis für Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Meer und der Burg Linn. Um ihn ranken sich zahlreiche Anekdoten. Die Eiche soll über 600 und die Linde über 300 Jahre alt sein (Extra-Tipp Meerbusch vom 22.4.2012, S. 5).

Die gute Akustik der Kirche ist auch der Grund für zahlreiche Konzerte. Für größere Konzerte wie die Aufführung des Brahms-Requiem am 19.11.2010 nutzt auch die Ev. Kantorei Lank (hier zusammen mit der Kantorei der Friedenskriche Düsseldorf und dem Rheinischen Oratorienorchester) den Kirchenraum von St. Stephan als Konzertraum. Die CD vom digitalen Mitschnitt dieser Aufführung ist unter Tel.: 02150 6330 erhältlich. Foto: Claudia Jacobs

Johannes Brahms – Wie lieblich sind deine Wohnungen
Live-Mitschnitt der Aufführung vom 19.11.2010  (Audioquelle rekonstruieren!)

In der Gemeinde und Kirche gibt es ein reges Chorleben. Am 4. November 2012 feierte unter starker öffentlicher Anteilnahme der St. Stephanus-Chor mit der "Krönungsmesse" vonWolfgang Amadeus Mozart sein 100jähriges Jubiläum. Am 16. Dezember wird der "Lobgesang" von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt. brahms-requiem-19.jpg

Die ökumenische Zusammenarbeit mit der ev. Gemeinde in Lank zeigt sich  in gemeinsamen öffentlichen Auftritten wie z.B. beim Gedenken an die deportierten und ermordeten Juden am 9. November (Reichsprogramnacht) am Mahnmal von Christoph Wilmsen-Wiegmann Ecke Hauptstraße/Kemerallee.

Das religiöse Brauchtum wie z.B. St.-Martins-Feiern wird meist zusammen mit den Schützen und der Feuerwehr gepflegt (Gastbeiträge hierzu sind erwünscht). 

DieFotos stammen bis auf das Rosettenfenster, die Albermann-Madonna, das Prinzengrab und das Brahms-Requiem alle  von Dr. Alfred Schneider, Lank. Dessen Foto-CD stellt Siegfried Scharbert für Reproduktionen gerne zur Verfügung.

Link zur: Homepage der Kath. Pfarrei Hildegundis von Meer

LInk zu den Glasfensern: Glasfenster von St. Stephanus 

 

Literatur:

Haefs, Theo: Kultus- und Kunstgegenstände in den Kirchen und Kapellen der Pfarrei Hildegundis von Meer Meerbusch, hrsg. vom Heimatkreis Lank e.V., Band 20 der Schriftenreihe "Im Rheinbogen", Meerbusch 2016, S. 17 - 68.

Klütsch, Margot: Meerbuscher Kunstwege. Kunstwerke und Denkmäler im Stadtbild. Düsseldorf 2010, S. 98 - 100.

Radmacher, Franz-Josef: Heimatkreis setzt Zeichen der Geschichte und Tradition, in: Dä Bott. Lanker Heimatblätter Jg. 44/2017, S. 8 ff. 

Scharbert, Siegfried: Kirchenführer St. Stephanus Meerbusch-Lank, Meerbusch 2009

ders.: Meerbuscher Kirchenfenster im Internet,in: "Dä Bott" - Lanker Heimatblätter 2006, S. 114

ders.: "Mit der Sonne selbst zu malen" - Meerbuscher Kirchenfenster im Internet, in: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 23 (2006), S. 32 ff.

ders., Hinweise zu den Kirchenfenstern in St. Stephanus/Lank, in: Dä Bott, Lanker Heimatblätter Jahrgang 37/Herbst 2010, S. 42 f.

 

....und so sehen Künstlerinnen und Künstler die Kirche:

Marktplatz St Stephanus  La Pähd St Stephanus  Fronhofstr St Stephanus

  Helga Ebner (drei Aquarelle)

 Lank St.Stephanus Martinszug E.Hackspiel

   Editha Hackspiel: "Martinsfest in Lank" (colorierte Radierung

1. St.Stephanus Lank 2

    Ilse Petry-Ambrosius (Radierung)

st.-stephanus---theo-schack.jpgst.-stephanus-und-umgebung-.jpgst.-stephanus---arno-mair-g.jpg

   Theo Schackers         Theo Schackers      Arno Mair-Grüneklee  

st.-stephanus---foto-von-ar

   Arno Mair-Grüneklee (Foto)

 

Lank St. Stephanus Eugenia Kindel 

Gemälde "Spielende Kinder auf dem Lanker Markt" von Eugenia Kindel (angefertigt in Zusammenarbeit mit ihrer Schwester   Christina und Sebastian Stolp)

(Quelle: Umschlagbild des Buches "Landleben und Brauch. Alltagsgeschichte im Gebiet des früheren Amtes Lank", Hrsg. Peter Dohms, Meerbusch 1998)