Gnadenkapelle Niederdonk

Geschrieben von Ludwig Petry am .

Beherrscht wird die Apsis durch die sechs lanzettförmigen Fenster des Ulmer Glaskünstlers Wilhelm Geyer (1900-1968). Themenschwerpunkte der Darstellungen sind Maria und Szenen aus dem Alten Testament. Die Ausschreibung für die Gestaltung der Fenster erfolgte nach der Renovierung der Kapelle 1965. Als erstes fällt die Dreiteilung der Fenstergestaltung auf, durch ein dekoratives Rankenwerk zusammengehalten: oben eine Prophetendarstellung, in der Mitte jeweils eine Szene aus dem Marienleben und unten eine Parallele oder interpretierende Darstellung aus dem Alten Testament.

Von links nach rechts zeigen die Fenster: 1. Prophet Samuel; Begegnung Maria und Elisabeth; Hanna, die Mutter Samuels, vor Eli. 2. Prophet Jesaja; Darstellung Jesu im Tempel mit seinen Eltern, Simeon und Hanna; Jakob, der seinem tot geglaubten Sohn Josef in Ägypten wieder begegnet. 3. Auferstandener Jesus Christus; Maria im Sonnenglanz; Schlange. 4. Prophet Hosea; Flucht nach oder Rückkehr aus Ägypten; Abraham, Sara und Lot. 5. Prophet Sacharja; Maria und Johannes unter dem Kreuz; Rahel, Jakob und Benjamin. 6. Prophet Elia; Hochzeit zu Kana; Ester und König Artaxerxes.

Niederdonker Kapelle Broschüre.IMG 9057. Niederdonker Kapelle 618 KB

Wilhelm Geyer hat die Fenster nicht realistisch gestaltet, sondern die stilisierten Figuren in ein strenges mosaikartiges Raster eingefügt. Da die dargestellten Szenen nicht wörtlich, sondern gleichnishaft zu verstehen sind, sind sie vereinfacht und auf das Wesentlich reduziert.                                                                                                                                                                            

                                                                                                                                                                                           An der nördlichen Wand unterhalb der Orgelempore hängt ein Madonnenbild, das bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts als Altarbild in der Apsis hing. 1839 malte es der Dresdener Künstler Ludwig Haach (1813 - 1842). Im gleichen Jahr erwarb die Familie Werhahn das nazarenisch inspirierte Gemälde und stiftete es für die Kapelle. Die später berühmten Künstlerbrüder Andreas und Oswald Achenbach hatten das Gemälde ihres Studienkollegen nach Büderich gebracht. Daher wurde das Bild oft irrtümlich als Aachenbach-Gemälde bezeichnet. Hach hatte zwei Semester an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und verstarb in jungen Jahren in Rom.

An der südlichen Wand hängt, geschützt durch einen Glaskasten, eine besondere künstlerische Kostbarkeit: das Triptychon, ein kleiner Klappaltar, 1538 von einem unbekannten flämisch-niederländuischen Meister auf Eichenholz gemalt. Nach 1803 ist der Altar vom Kamper Hof in Neuss in die Niederdonker Kapelle gelangt. Das Triptychon hat zwei bewegliche Flügel und eine Predella als Unterbau. Es wird von einem Rundbogen-Rahmen umschlossen. Das Hauptthema der Malerei auf der Mitteltafel ist die Lactatio des heiligen Bernhard, der vor der Muttergottes mit dem Jesusknaben kniet. Flankiert werden sie auf den Seitenflügeln links von der heiligen Katharina von Alexandrien, rechts von der heiligen Barbara, beide an ihren Attributen erkennbar. Auch sie sind kniend vor der durchlaufenden Steinbank, auf der die Gottesmutter sitzt, dargestellt. 

In geschlossenem Zustand zeigt sich auf dem linken Flügel Maria, wieder auf einer Steinbank sitzend, aus ihrem Oberkörper ragt ein riesiges Schwert heraus. Vor ihr kniet auf dem rechten Flügel der Stifter des Altars, Johannes Ingenray von Hüls, Abt des Zisterzienserklosters Kamp am Niederrhein, durch sein Wappen und den Abtstab eindeutig erkennbar. 

Im Februar 2005 wurde auf der entsprechend hergerichteten Empore eine Rieger-Orgel aufgestellt. Neben zwei Manualen und einem Pedal hat sie 1245 Pfeifen aus Holz, Kupfer, Zink und verschiedenen Zink-Blei-Legierungen.

 

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            Westseite mit Orgel

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Tryptychon (l) und Gemälde (r) von L. Haach

 

Im nördlichen Eingangsbereich steht die Holzskulptur, die den Hl. Judas Thaddäus darstellt. Der Münsteraner Bildhauer Hans Wehrenberg (1909 - 2002) fertigte sie 1957 an. Mitte der 1960er Jahre schenkte der Büdericher Bauunternehmer Steinfels die Figur der Pfarrgemeinde.

Kirchenfenster "auf Zeit": Anlässlich der Ökumenischen Nacht der Offenen Kirchen im August 2009 gestaltete der junge Düsseldorfer Künstler Holger Schuster die Fenster des Langhauses neu. Er ließ die Motive "Gier", "Maßlosigkeit und Völlerei", "Missgunst und Neid" sowie "Wollust" auf Folie drucken und die Milchglasscheiben damit bekleben.

Die Kapelle besitzt zwei Glocken, eine mit dem Schlagton g``, 96 kg schwer, die andere mit dem Schlagton h`, 49 kg schwer. Außerdem ist im Dachreiter ein Glockenspiel mit 16 Tönen installiert.